Professor Gaetano Benedetti am 2.12.2013 verstorben

Gaetano Benedetti wurde 1920 als Sohn eines Chirurgen in Catania geboren. Nach dem Medizinstudium begann er seine Weiterbildung zum Psychiater zunächst in Catania und setzte sie später am Burghölzli in Zürich bei Manfred Bleuler fort, wo er auch 1953 habilitiert wurde. Wenige Jahre später wurde er als Professor für Psychohygiene und Psychotherapie an die Universität Basel berufen. Dort arbeitete er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1985. 1963 war er Mitbegründer des Mailänder psychoanalytischen Institutes. Jetzt trägt ein psychoanalytisches Ausbildungsinstitut der Universität von Perugia seinen Namen.

Der Schwerpunkt seiner Arbeit und seines wissenschaftlichen Interesses galt den psychotischen Erkrankungen. Er sah in der Schizophrenie nicht alleine eine medizinische Störung und verwies auf die Notwendigkeit, den biographischen Hintergrund des Patienten in die Behandlung mit einzubeziehen. Den Kranken zu verstehen, zu akzeptieren und wiedereinzugliedern sei, so formulierte er, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Benedetti richtete in der Arbeit mit psychotischen Patienten seine Aufmerksamkeit darauf, neben dem oft quälenden und manchmal destruktiven Charakter der Symptome auch die kreativen Anteile in der Symptomatik zu erkennen. Die kreative Leistung eines Symptoms sei dabei besonders gut in schöpferischen Gestaltungen des Patienten wie im Bildnis oder in einer Skulptur zu erkennen  und daneben im Rahmen einer psychotherapeutischen Beziehung erfahrbar. Dabei gehe es darum die Symbolik in der Darstellung, in den Symptomen und in der Art der Beziehungsgestaltung wahrzunehmen. Der zweite Akt der kreativen Symbolleistung liege dann in der Rezeption, in der Resonanz und Antwort des Therapeuten. Aus den Beiträgen beider, des Patienten und des Therapeuten, entstehe im Rahmen einer „dialogischen Positivierung“ „die Kraft des Gestaltwandels“. Richtungsgebend sei dabei „ die transformatorische Kraft der Symptomgestalt, die aus einer Minus- eine Plussituation“ schaffe. Das sei zuweilen anfänglich  „ vielleicht einer positivierenden Projektion des Therapeuten“ zu verdanken. In anderen Fällen rühre es  ganz vom Patienten her, der den Therapeuten dazu motiviere, mitschöpferisch tätig zu sein. Schon hier werden die große Einfühlsamkeit und der Respekt Benedettis gegenüber dem Kranken deutlich und seine Vorstellung der Behandlung als ein gemeinsames Tun, einer Begegnung in einer therapeutischen Beziehung. Mit dieser Haltung grenzte er sich deutlich ab von einer Psychiatrie, deren vorrangiges Ziel in der Beseitigung von Symptomen stand und der lange Zeit ein verstehender Zugang zu psychotischen Symptomen undenkbar erschien.

Von Benedetti stammen viele für die psychotherapeutische Behandlung von Psychosekranken hilfreiche Konzepte. Dazu gehören unter anderem: die Therapie als existenzielle Begegnung, das Verständnis von Symptomen als Ausdruck einer progressiven Psychopathologie, das Übergangssubjekt als therapeutisches Hilfsmittel und die Unterscheidung von wahninternen und wahnexternen Deutungen. Gemeinsam mit seinem einflussreichsten Schüler Maurizio Peciccia hat Benedetti auch eine Methode der Psychosentherapie durch dialogisches Zeichnen entwickelt. 

Mit seinen Büchern und Vorträge hat er einen großen Einfluss auf das Krankheitsverständnis von an dieser Thematik interessierten Psychiatern und Psychotherapeuten ausgeübt. Besonders zu erwähnen sind hierbei seine Bücher „Der Geisteskranke als Mitmensch“, „Psychotherapie als existentielle Herausforderung „ und „Todeslandschaften der Seele“, in dem er in vielen Beispielen seinen Verstehenszugang  bei Menschen mit einer psychotischen Erkrankung darstellt.

Benedetti hat sich auch international für die Verbreitung des Wissens über Psychosenpsychotherapie eingesetzt. So war er 1956 Mitbegründer des ISPS, eines internationalen Forums für die Psychotherapie von Psychosen, das regelmäßig internationale Konferenzen zu diesem Thema organisiert.

Gaetano Benedetti verstarb in der Nacht vom 2. zum 3.12.2013 in seinem 94. Lebensjahr.

Bei vielen Mitgliedern des Dachverbandes Deutschsprachiger Psychosenpsychotherapie  ist - nicht zuletzt angeregt durch seine Arbeiten  – das Interesse an einem psychodynamischen Zugang in der Behandlung psychotischer Patienten geweckt worden. Das Lebenswerk Benedettis und seine von Humanität gegenüber dem Patienten geprägte Arbeit werden im Verein lebendig bleiben.

N.H.

Nachruf von Joachim Küchenhoff

Auch im Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie ist in Ausgabe 8/2013 ein Nachruf auf Gaetano Benedetti erschienen, den Sie hier herunterladen können.

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