Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG): TherapeutInnen wehren sich gegen den Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Wir als DDPP sprechen uns klar dafür aus, dass für Menschen, die unter Psychosen und anderen komplexen psychischen Krankheiten leiden, der Zugang zur Psychotherapie erleichtert werden muss. Eine solch sensible Begegnung kann nicht per Dekret geregelt werden.

Hintergrund:

Eine schnellere Terminvergabe für gesetzlich versicherte PatientInnen und damit eine Verbesserung des medizinischen Versorgungssystems. So lautet das erklärte Ziel des Gesetzesentwurfes der Bundesregierung zum Terminservice- und Versorgunggesetz (TSVG), welcher heute, am 13.12.18 in erster Lesung behandelt werden soll.

Ein gleichwertiger Zugang zur ambulanten ärztlichen Versorgung soll durch Neuregelungen im Sinne einer „gestuften und gesteuerten Versorgung für die psychotherapeutische Behandlung“ erreicht werden, wie es in diesem Entwurf heißt.
Konkreter bedeutet dies, dass künftig bislang in Funktion und Verantwortlichkeit nicht definierte Prüfer in der Vermittlung von PatientInnen und TherapeutInnen zwischengeschaltet wären und nach einer Ersteinschätzung der individuellen Bedarfslage Weiterverweisungen vornehmen würden.

Konkreter bedeutet dies, dass künftig bislang in Funktion und Verantwortlichkeit nicht definierte Prüfer in der Vermittlung von PatientInnen und TherapeutInnen zwischengeschaltet wären und nach einer Ersteinschätzung der individuellen Bedarfslage Weiterverweisungen vornehmen würden.

Diese Umsetzungsmaßnahme stößt aktuell auf sehr große Kritik: Es liegt nämlich nahe zu vermuten, dass die Versorgung für psychisch Kranke dadurch nur noch komplizierter werden könnte – Vor allem TherapeutInnen wehren sich mit einer Petition dagegen. Bereits über 100 000 haben unterzeichnet – auch der DDPP, als einer von über 26 Psychotherapeutischen Fachverbänden, unterstützt die Petition gegen das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG).

Das hauptsächliche Problem dieses Lösungsvorschlages der Bundesregierung sehen wir darin, dass das Erstzugangsrecht zu BehandlerInnen und damit die Wahlfreiheit der PatientInnen gefährdet wäre. Damit würde das sensible Thema der therapeutischen Beziehungsgestaltung – was gleichzeitig einen zentralen Wirkfaktor in der Psychotherapie darstellt – eisern übergangen und der Willkür eines Dekrets überlassen werden. Gerade bei komplex psychisch kranken Menschen spielt die Beziehungsgestaltung eine herausragende Rolle. Eine vorgeschaltete Instanz, der eine Lenkung übertragen ist, würde eine weitere, für viele eine nicht zu nehmende Hürde darstellen. Es fällt schwer, dies nicht als Diskriminierung sowohl gegenüber den PatientInnen als auch den TherapeutInnen aufzufassen.

Bildquelle:

Porträtfoto des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn im Querformat, Druckauflösung (© BMG)

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